Bezirksamt Altona und Stadtentwicklungsbehörde prüfen Berücksichtigung der Erdbebengefahr in den Bauplänen

Wer in Hamburg an Umweltgefahren denkt, dem fallen Orkane und Sturmfluten ein – aber noch nicht Erdbeben. Ein Schwerpunkt befindet sich im Hamburger Westen, wo sich der langgestreckte Salzstock Othmarschen-Langenfelde befindet. Eine Senatsanfrage der SPDBürgerschaftsabgeordneten Anne Krischok und Martina Koeppen ergibt, dass im vergangenen Jahr zwei Einsturzbeben in Groß Flottbek registriert worden sind. Das Bezirksamt Altona und die Stadtentwicklungsbehörde schätzen die Gefahr für die Bevölkerung immerhin als so real ein, dass sie eine Berücksichtigung in der formalen Bebauungsplanung prüfen. Der Senat gibt allerdings keine Auskunft darüber, ob und welche Gefahren für die Industrie in den betreffenden Stadtteilen existieren – zum Beispiel für das XFEL-Vorhaben.
Wie sieht die Gefahr aus? Unter dem Boden im Hamburger Westen existiert ein riesiges Salzgebirge – genauer gesagt ein elf Kilometer langer und vier Kilometer breiter Salzstock, der von Quickborn über Schnelsen, Langenfelde, Groß Flottbek, Ottensen und Othmarschen reicht und dann am Rande des Elbufers verläuft. Wäscht Sickerwasser Höhlen in das teilweise nur wenige Meter unter der Erde liegende Material, kann dieses nachgeben: Bodenabsackungen und sogar kleine Erdbeben sind die Folge. In den letzten 10 Jahren kam es im Hamburger Westen zu 3 solcher Einsturzbeben – davon zwei im vergangenen Jahr.
„Leider gibt es für den Hamburger Westen also eine reale Erdbebengefahr“ resümiert Anne Krischok. „Hamburg muss dieses Salzmassiv erkunden, damit wir nicht in Zukunft wieder von Einsturzbeben überrascht werden – und die betroffene Bevölkerung hierüber aufklären“. Martina Koeppen fordert, dass die Berücksichtigung in den Bebauungsplänen schnell vorgenommen wird: „Dies ist eine Selbstverständlichkeit: Andernfalls macht sich die Stadt doch strafbar, wenn sie die Bevölkerung vor solchen Gefahren nicht angemessen warnt“.
Beide SPD-Politikerinnen sind Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss und vertreten als Wahlkreisabgeordnete die betroffenen Stadtteile in der Hamburgischen Bürgerschaft.
Nicht alle Erdbeben müssen dabei die Stabilität von Häusern gefährden – Risse in den Hauswänden oder Straßen entstehen aber durchaus.
„Klar ist: Hamburg wird nicht eines Tages in einem riesigen Krater verschwinden“, beruhigen die beiden SPD-Politikerinnen. Die Untergrundverhältnisse werden im Geologische Landesamt kartiert – aber die Tiefenstrukturen können nur in aufwendigen Erkundungsmaßnahmen (Tiefbohrungen, tiefenseismische Untersuchungen) auskartiert werden: „Sprich: Wir wissen nicht, wie es unter Hamburgs Erde aussieht“ fassen Anne Krischok und Martina Koeppen den derzeitigen Sachstand zusammen

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