B-Plan Rissen 29 nicht ausreichend als Planungsgrundlage für Ortsumgehung. Im Sommer beraten Hamburg und SchleswigHolstein über grenzüberschreitende Verkehrsprojekte

Die wiederaufgeflammte Debatte um die Rissener Ortsumgehung stand bei der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative „Verkehrsberuhigung für den Hamburger Westen“ am 23. April in der Aula der Schule Iserbarg im Mittelpunkt. Nach einer Präsentation der Initiative stand die Rissener SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Anne Krischok im Mittelpunkt: Sie hatte – als Vertreterin der Regierungsfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft – die Wiederaufnahme der Rissener Ortsumgehung in den Bundesverkehrswegeplan abgelehnt!
Nachdem sie vor einigen Wochen bereits in der Presse ihre Ablehnung der Wiederaufnahme begründet hatte (Verschärfung der Förderbedingungen des Bundesverkehrsministeriums, keine Anmeldung von Schleswig-Holsteinischer Seite), wies sie in dieser Veranstaltung auf die schwierige Rechtslage hin: „Der Bebauungsplan Rissen 29, welcher die Brünschentrasse beinhaltet, stammt aus dem Jahr 1972 (!), wo Umweltschutzaspekte kaum eine Rolle spielten. Die eingetragene Trasse verläuft jedoch überwiegend im Landschaftsschutzgebiet. Hier befindet sich ein größeres nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz geschütztes Biotop. Seit 1997 ist diese Trasse im Landschaftsprogramm als „Klärungsbedarf“ gekennzeichnet.
Kurz und gut: Ob hier gebaut werden darf, ist unwahrscheinlich. Sie würde vermutlich wegen der vermutlich umfangreichen negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft abgelehnt werden“, betonte die SPD-Umweltpolitikerin und spitzte die Diskussion mit folgender Fragen zu: „Warum beklagt die Bürgerinitiative die schädlichen Umweltauswirkungen der Verkehrszunahme – und schlägt gleichzeitig eine teilweise Zerstörung eines Landschaftsschutzgebiets und wertvollen Biotops vor? Hinzu kommt, dass Straßenausbauten noch zu weniger Verkehr insgesamt geführt haben. Ich fände es klüger, den ÖPNV attraktiver zu machen, z.B. durch eine neue S-Bahnstation in Wedel mit einem entsprechenden P+R-Angebot: Und genau das passiert prüft Schleswig-Holstein zurzeit.“
Diese Auffassung führte bei der mit 250 Gästen der gut besuchten Informationsveranstaltung zu kontroversen Diskussionen, wobei sich Befürworter und Gegner einer Ortsumgehung Rissen zu Wort meldeten. Einhelliger Wunsch war: Hamburg und Schleswig-Holstein sollen bei der Verkehrsplanung besser zusammenarbeiten! Anne Krischok sagte zu, diesen Wunsch an die Senatsbehörden weiter zu leiten und informierte zugleich, dass sich die Verkehrsausschüsse der Hamburgischen Bürgerschaft und des Schleswig-Holsteinischen Landtags im Sommer treffen werden, um grenzübergreifende Projekte zu besprechen.
Interessanter Punkt am Rande der Veranstaltung war: Nicht wenige Besucher sind mit dem Auto gekommen – und nicht mit dem Fahrrad oder dem Bus. Auch dieses Mobilitätsverhalten ist ein Teil des Problems, das die Rissenerinnen und Rissener bewegt. Abschließend resümierte die SPD-Politikerin: „Ich verstehe die Sorgen und Ängste der Bürgerinnen und Bürger: Allerdings halte ich nicht alle Forderung der Bürgerinitiative für zielführend. Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass jeder in Rissen die Ortsumgehung möchte!“

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