Schulsenator Ties Rabe hat am Mittwoch den Referentenentwurf für einen Schulentwicklungsplan 2012 vorgestellt. Nachdem die Hamburger Politik und Bevölkerung fast vier Jahre lang intensiv und stürmisch die Schulentwicklungsplanung diskutiert hatte, soll das Hamburger Schulsystem nun eine klare Perspektive bekommen. Entsprechend dem Schulfrieden vom vergangenen Jahr wird es in Hamburg flächendeckend die vierjährige Grundschule sowie die beiden weiterführenden Schulformen Stadtteilschule und Gymnasium geben.
Frank Schmitt, SPD-Bürgerschaftsabgeordneter für den Hamburger Westen sagt: „Damit haben wir ein modernes und sehr leistungsfähiges Schulsystem, das jetzt die Zeit bekommen soll, um sich zu entwickeln. Nach den vergangenen Auseinandersetzungen brauchen Hamburgs Schulen wieder Verlässlichkeit und Klarheit. Jetzt ist es eine große Herausforderung, dass die zusätzlichen Raumbedarfe auch wirklich geschaffen werden. Ebenso werde ich darauf dringen, dass die angekündigte Ganztagsbetreuung auch umgesetzt wird. Das ist besonders wichtig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“
Im Hamburger Westen werden einige Schulgebäude erweitert oder neu gebaut werden, um dem wachsenden Bedarf zu genügen. Die größte Veränderung der Schullandschaft bedeutet die Zweigstelle der Stadtteilschule Blankenese, die zu Beginn des laufenden Schuljahres im Gebäude des Gymnasiums Rissen geöffnet wurde. Anne Krischok, SPDBürgerschaftsabgeordneter für den Hamburger Westen betont: „Es freut mich, dass die Gymnasien in Blankenese und Rissen erhalten bleiben und die Nachfrage nach der Stadtteilschule Blankenese sehr hoch ist. Für die dauerhafte Sicherung der Stadtteilschule wird in einer Machbarkeitsstudie geklärt, ob der Standort Iserbarg ausgebaut werden kann oder eine solche Stelle dauerhaft am Gymnasium Rissen eingerichtet werden kann. Mir ist wichtig, dass es auch künftig genügend Angebote für unsere Kinder in Rissen, Sülldorf, Blankenese, Iserbrook und Nienstedten gibt, wenn diese eine Stadtteilschule oder ein Gymnasium besuchen wollen.“
Grundlage der Planungen für den kürzlich vorgestellten Entwurf des Schulentwicklungsplans sind die wachsenden Schülerzahlen, die das Statistikamt Nord prognostiziert. Demnach ist damit zu rechnen, dass die Schülerzahlen bis zum Jahr 2022 um 3,7 Prozent im Vergleich zu 2011 ansteigen. Außerdem berücksichtigt die Planung, dass die Zahl der Klassen zunehmen wird, weil die Klassengrößen abnehmen werden. Auch nehmen die durchschnittlichen Schulbesuchszeiten zu, weil der Besuch von Vorschulklassen und Oberstufen zunimmt. Ebenso steigt das Angebot an Ganztagsschulangeboten und nicht zuletzt erfordern die Herausforderungen im Bereich der Inklusion vermehrte Anstrengungen.
Bei der Planung wurden die regionalen Besonderheiten berücksichtigt sowie der Wille der schulischen Gremien. Im Vorwege wurden zahlreiche Vorschläge mit Vertretern der Schulen abgestimmt. Besondere Herausforderungen stellt die Schulentwicklung an den Schulbau. An zahlreichen Schulen müssen Erweiterungen und Neubauten vorgenommen wer den, um Platz zu schaffen für wachsende Schülerzahlen, mehr Schulklassen, Kantinen und neue Ganztagsangebote.
Im Einzelnen sieht der Entwurf des Schulentwicklungsplans folgende Baumaßnahmen für die Stadtteile im Hamburger Westen vor: In Lurup wird die Stadtteilschule Lurup perspektivisch einen kompletten Neubau erhalten. Die Sekundarstufe I, also die Schulstufen 5 bis 10, sollen dann vollständig am Standort Vorhornweg untergebracht werden. Sollte sich kurzfristig eine Perspektive zur Nutzung des ehemaligen Hermes-Geländes ergeben, dann würde die Planung noch einmal überprüft. Die Sekundarstufe II, also die Klassen 11 bis 13, werden mittelfristig – gemeinsam mit der Grundschule Luruper Hauptstraße – am Standort Luruper Hauptstraße untergebracht. Die Grundschule Franzosenkoppel benötigt dauerhaft Räume der angrenzenden früheren Ganztagsschule Veermoor. Sollte die Anmeldesituation am Goethe-Gymnasium eine Ausweitung von Vier- auf Fünfzügigkeit erfordern, dann bestünde dort erheblicher Zubaubedarf.
In Sülldorf ist es aufgrund von geplantem Wohnungsbau notwendig, dass die Grundschule Lehmkuhlenweg erweitert wird. Dafür muss die angedachte Erweiterungsfläche allerdings erst erworben werden. Auch die Schule Schulkamp in Nienstedten müsste erweitert werden. Da dafür der Platz fehlt, ist das nur durch den teilweisen Ersatz von Bestandsgebäuden realisierbar. In Blankenese benötigt die Elbkinder Grundschule am Grotefendweg neben den Räumen des Grundschulstandortes auch wegen der Einrichtung eines Ganztagsangebots Räume der Förderschule Grotefendweg auf dem gleichen Gelände. In Osdorf benötigt die Grundschule Goosacker ebenfalls zusätzliche Räume, die teilweise durch Umbau und teilweise durch Umnutzung von Räumen der Stadtteilschule Goosacker gewonnen werden sollen. Die Räumlichkeiten der Stadtteilschule Goosacker werden zukünftig nicht ausreichen. Deshalb wird sie in das Gebäude der beruflichen Schule H 6 am Ohlenkamp in Groß Flottbek umziehen.
Soweit die Vorstellungen im aktuellen Referentenentwurf des Schulentwicklungsplans. Jetzt soll ein breiter mehrmonatiger Beratungs- und Beteiligungsprozess zur Schulentwicklungsplanung stattfinden, in den Schulen, Eltern-, Lehrer-, Schülervertretungen und Bezirke eingebunden sind. Abschließend soll die Deputation der Schulbehörde Anfang Februar 2012 den Schulentwicklungsplan beschließen. Der Entwurf ist unter www.hamburg.de/schulentwicklungsplan vollständig im Internet.

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